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Miriam Stamm

Religion in der Schifffahrt der Frühen Neuzeit (1500–1800)

Das Meer ist gefährlich – lebensgefährlich. In der Frühen Neuzeit konnte jede Reise mit einem Schiff abseits der Küste als Fahrt ohne Wiederkehr enden. Trotzdem konnte die Frühe Neuzeit zur Epoche der Entdeckungen werden, die bis heute das Bild unserer Welt prägen.

Auf dem Meer mussten Seeleute mit vielfältigen Gefahren leben. Neben Umweltfaktoren wie der stürmischen See oder Flauten konnten auch geografische Gegebenheiten wie Untiefen und Riffe zum Schiffbruch führen. Nicht weniger bedrohlich waren die besonders im Mittelmeerraum aktiven Piraten. Die harte körperliche Arbeit und die andauernde Ungewissheit führten zu Spannungen. Erschwerend kam hinzu, dass die Besatzung meist aus Seeleuten unterschiedlicher Herkunftsregionen, hauptsächlich aus Europa, zusammengesetzt war und somit verschiedene kulturelle und religiöse Prägungen aufeinandertrafen. Das Meer als unkontrollierbarer und lebensgefährlicher Naturraum erforderte die Entwicklung gemeinsamer Umgangsformen und die Überwindung religiöser und kultureller Konflikte, um als Schiffsgemeinschaft funktionieren zu können.

In dem Dissertationsprojekt wird anhand verschiedener Schriftquellen die Bedeutung der Religion für Seefahrer, die Handhabung damit verbundener Rituale und die Wechselwirkung zwischen Religion und Schifffahrt untersucht. Der Fokus liegt auf norddeutschen Seefahrern bzw. Seereisenden, die über die Küstenschifffahrt hinaus unterwegs waren. Die Untersuchung umfasst den Zeitraum vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Diese Zeit erscheint besonders interessant, um zu untersuchen, ob die durch die Reformation entstehenden Spannungen zwischen den Konfessionen sich auch auf Schiffen nachweisen lassen. Daraus resultierend stehen im Mittelpunkt der Arbeit die folgenden Fragen: Hatte die Religion Auswirkungen auf die Sozialstruktur? Beeinflusste sie die Konflikte innerhalb der Mannschaft? Und wie wurde bei gemischtkonfessionellen Besatzungen mit den unterschiedlichen religiösen Praktiken umgegangen?

 

Miriam Stamm studierte Geschichte, Soziologie und Erziehungswissenschaften an der Universität Bremen (2004–2012) und absolvierte danach ein wissenschaftliches Volontariat im Deutschen Schiffahrtsmuseum Bremerhaven (2012–2014). Ab Januar 2015 promovierte sie am Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen.