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Timm Behnecke

Die Arbeit des Menschen und die Arbeit der Maschine – Leben und Arbeiten in Herrenwyk

Unter dem Stichwort Arbeit 4.0 wird, angelehnt an die Entwicklungen der Industrie 4.0, die Umwälzungen der Arbeitswelt durch die digitale Revolution beschrieben. Durch die Vier bereits angedeutet, ist dies nicht die erste große Veränderung die unsere Arbeitswelt seit Beginn der Moderne durchläuft. Nach der Mechanisierung, der Elektrifizierung und der Informatisierung, geht es heute um die Organisation der Arbeit in netzwerkartigen Strukturen unter der Zuhilfenahme des ‚Internet der Dinge‘. Mit jeder Veränderung der Arbeit vollzieht sich ein umfangreicher gesellschaftlicher Wandlungsprozess. Dieser beeinflusst letztlich auch die gesamte alltägliche Lebenswelt der Menschen. In ganz besonderer Weise zeitlich und räumlich verdichtet lässt sich der Wandel der Arbeit am Lübecker Hochofenwerk Herrenwyk nachvollziehen. Die zwei deutlichsten Wendepunkte sind die Inbetriebnahme des Werks 1907 und dessen Konkurs 1981. Der erste Wendepunkt markiert den Wandel hin zur schwerindustriellen Arbeit und der Zweite dessen Ende. Mit jedem Wandel der Arbeit verändern sich auch die Vorstellungen bezüglich der Arbeit – Was gilt unter spezifischen Um-ständen überhaupt als Arbeit und was als gute Arbeit? Welche Formen der Arbeit finden gesellschaftliche Anerkennung und welche gelten als niedere Arbeiten? Welche wissenschaftlichen Auffassungen fließen in die Gestaltung der Arbeit hinein und unter welchen Bedingungen findet diese statt? 

Diese Fragen werden im Promotionsprojekt bearbeitet. Das Hochofenwerk Herrenwyk mit seiner reichen Geschichte bildet dazu die Grundlage. Das Promotionsprojekt ist als eine interdisziplinäre Zusammenarbeit des Museums Geschichtswerk-statt Herrenwyk, des Darmstädter Institut für Arbeitstechnik, des Darmstädter Lehrstuhls für Geschichte und Philosophie der Technowissen-schaften und dem Lübecker Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung geplant. Diese Konstellation erlaubt in besonderer Weise sowohl eine Innenperspektive auf den hoch techni-schen Gegenstand der industriellen Arbeit als auch eine reflexive Außenansicht auf die Rolle und Bedeutung arbeitswissenschaftlicher Entwicklungen und Verwicklungen in den Wandel und die Organisation von Arbeit.

Timm Behnecke studierte Maschinenbau, Wirtschaftswissenschaften und Philo-sophie an der TU Darmstadt. Dort promoviert er in einer Zusammenarbeit des Instituts für Arbeitstechnik und des Lehrstuhls für Geschichte und Philosophie der Technowissenschaften. Sein Dissertationsprojekt ist seit 2018 gefördert durch ein Stipendium des Zentrums für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck.