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Kerstin Klein

Von „Wintermänteln“ und „epistolaren Beziehungen“ – Funktionen und Strukturen der Familienkorrespondenz der Familie Thomas Manns

„Wintermäntel“ – so wurden innerhalb der Familie Thomas Manns lange, „wärmende“ Briefe ge-nannt. An diesem bildhaften Ausdruck lässt sich zweierlei feststellen: Die zentralen Funktionen des Mediums Brief – wie z. B. Nähe und „Wärme“ auch über eine räumliche Entfernung hinweg her-zustellen – sind den Schreibenden bewusst und werden benannt. Darüber hinaus ist der Ausdruck beispielhaft für eine ausgeprägte Familiensprache. Über 2.000 Briefe aus der Familienkorrespon-denz Thomas und Katia Manns mit ihren sechs Kindern haben sich erhalten. Zahlreiche aktuelle Editionen zeugen von dem ungebrochenen Interesse an den Briefen der Manns; eine wissenschaftli-che Untersuchung zum Thema „Brief /Briefkultur“ steht dagegen noch aus. Das Dissertationspro-jekt will die Bedeutung und Funktion der Briefkommunikation dieser Familie untersuchen: Wie manifestiert sich die spezifisch „Mannsche“ Briefkultur? Brechen einzelne Familienmitglieder aus dieser Struktur aus und, wenn ja, warum? Ändert sich die familiäre Briefkultur mit biografischen oder zeithistorischen Abschnitten? Lassen sich innerhalb der Familienkorrespondenz Briefgattungen ausmachen? Bei der Behandlung dieser möglichen Fragestellungen sollen die spezifischen Inszenie-rungspotentiale, ihre Form der Textualität, Materialität und Medialität berücksichtigt werden.

Kerstin Klein studierte Kulturwirtschaft an der Universität Passau sowie Literaturwissenschaft in Wien und Berlin. Nach einem Volontariat in einer Hamburger PR-Agentur war sie von 2009 bis 2013 Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Sonderausstellungen im Buddenbrookhaus. Von 2014 bis 2018 war sie Projektleiterin und Kuratorin einer Ausstellung zum Re-formationsjubiläum bei der Nordkirche in Kiel. Sie hat die 2016 im S. Fischer-Verlag erschienene Edition Die Briefe der Manns. Ein Familienpor-trait mitherausgegeben.