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Hans Blumenbergs Theorie des Mythos

Hans Blumenbergs Theorie des Mythos

Marco Mauerer

Eine Philosophie des Mythos ist eigentlich ein Widerspruch in sich – entzieht sich seine vermeintliche Irrationalität und chaotische Struktur doch scheinbar jedem wissenschaftlichen und vernünftigen Zugriff. Trotz des permanenten Einspruchs, welcher von Seiten der philosophischen Vernunft seit der erstmaligen Formulierung ihres Selbstverständnisses stets gegen das mythische Weltverständnis vorgebracht wurde, lässt sich dennoch von Vico über Schelling und Nietzsche bis hin zu Ernst Cassirer eine Traditionslinie von Denkern bestimmen, welche sich der tradierten antithetischen Gegenüberstellung von Mythos und Logos nicht haben anschließen wollen.

Auch Hans Blumenberg gehört in die Riege derjenigen Philosophen, welche den Mythos und seine speziellen Verfahrensordnungen der Vernunft unter Zurückweisung von als zu reduktionistisch empfundenen Konzeptionen von Rationalität mit Erkenntniswürdigkeit ausgestattet haben. Mit dem programmatischen Titel der Arbeit am Mythos ist dabei schon der entscheidende Hinweis auf die Inhalte und die zugrundeliegende Zugriffsform gegeben: einerseits auf die Beschreibung der kulturgeschichtlichen Arbeit an den klassischen Mythologemen im Rahmen der diachronen Phänomene von Rezeption, Zitation und Transformation und andererseits auf die philosophische Arbeit, die in der Interpretation dieses historischen Prozesses selbst liegt.

Das hier geplante Promotionsprojekt setzt sich zunächst das Grundziel, eine zusammenhängende Monographie zum Thema des Mythos im Werk Hans Blumenbergs vorzulegen. Dabei soll der Ansatz vor allem im Hinblick auf seine anthropologischen Gehalte systematisch interpretiert werden. Weiterhin soll die Theorie, insbesondere unter Rekurs auf Ernst Cassirer und Friedrich Nietzsche, auf ihre Einflüsse und somit sowohl auf ihre Originalität als auch Epigonalität untersucht werden.
Der methodische Zugang zu einer interpretativen Erweiterung ergibt sich schließlich durch die Herstellung eines fiktiven Dialogs Blumenbergs mit Aby Warburg. Durch die Neulektüre der Texte Blumenbergs im Lichte der ebenfalls anthropologisch motivierten Bildwissenschaft Warburgs soll so die Rolle der Bilder im Aufbau des mythischen Bewusstseins untersucht und deutlich gemacht werden. In letzter Konsequenz eröffnet dies die Möglichkeit, Blumenbergs Mythostheorie auch einmal unter dem Gesichtspunkt einer implizit darin enthaltenen Ästhetik zu verstehen.

Lebenslauf:

1979 geboren in München
2006–2010 Studium der Philosophie, Historischen Musikwissenschaft und Kunstgeschichte, Universität Hamburg
2010 Magisterarbeit „Zwischen Indifferenz und Dogma. Die anthropologische Funktion des Mythos bei Hans Blumenberg“