ZKFL

Lübecker Literarisches Colloquium im SoSe 2018

Denk ich an Europa in der Nacht ...
ROBERT MENASSE als Romancier und Essayist

Blockseminar am 26. und 27. Mai 2018, jeweils von 10–17 Uhr (Mittagspause von 13–14 Uhr)
im Seminarraum des Günter Grass-Hauses, Glockengießerstr. 21

Seminarleitung: Prof. Dr. Dieter Stolz

Im Zentrum unserer Diskussionen werden die folgenden Bücher des 1954 in Wien geborenen Schriftstellers Robert Menasse stehen: Die Vertreibung aus der Hölle (Roman, Suhrkamp 2001, Neuauflage 2018), Der europäische Landbote (Essay, Zsolnay 2012), Heimat ist die schönste Utopie - Reden (wir) über Europa (Essays, Suhrkamp 2014), Die Hauptstadt (Roman, Suhrkamp 2017).

"Robert Menasse: Das bedeutet Witz, Schärfe, Ironie, und es meint zugleich Seele, Sentiment, ja schwärmerische Seitensprünge – von der Literatur ins Politische, von der Essayistik in die polemisch aufgekratzte Postille." (Martin Meyer in seiner Laudatio auf den Schriftsteller zur Verleihung des Max-Frisch-Preises 2014)

Was schon für die Werke galt, die Robert Menasse vor der Jahrtausendwende geschrieben hat – stellvertretend genannt seien hier nur seine vierbändige Trilogie der Entgeisterung (Sinnliche Gewißheit; Selige Zeiten, brüchige Welt; Schubumkehr; Phänomenologie der Entgeisterung) und die gesammelten Essays zum "Land ohne Eigenschaften" (Das war Östereich) –, gilt auch für die seitdem zum Themenkomplex "Geschichte(n), Nationalstaaten, Europa" entstandenen Bücher des 1954 in Wien geborenen Autors. Und zwar nicht erst, seit er 2017 für Die Hauptstadt, "einen elegant geschriebenen, fabelhaft gebauten, pointen- und gedankenreichen Roman" (Andreas Isenschmid, Die Zeit), mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde.
Es ist vielmehr so: Was bereits in seinem herausragenden Epochenroman Die Vertreibung aus der Hölle (2001) am Beispiel der Judenverfolgung in Europa über Jahrhunderte hinweg künstlerischen Ausdruck fand und in den nachfolgenden Essays und Reden des kritischen Intellektuellen zur europäischen Frage (Der europäische Landbote; Heimat ist die schönste Utopie) luzide reflektiert und rhetorisch brillant vertieft wurde, manifestiert sich in seinem bislang letzten Roman über "Brüssel" und "Auschwitz" erneut in einer ganz anderen, gleichfalls überzeugenden literarischen Form, die natürlich noch längst nicht das letzte Wort des geschichtsbewussten Schriftstellers in diesem anhaltend aktuellen Kontext gewesen sein muss.

Ziel unserer Lektüren ist es, die ästhetischen Spielregeln der Sprachkunstwerke des leidenschaftlichen Geschichtenerzählers und die gesellschaftspolitischen Thesen des engagierten Zeitgenossen herauszuarbeiten. Geplant ist darüber hinaus, dass Robert Menasse am Sonntag, den 27. Mai ab 14 Uhr zum krönenden Abschluss des Seminars ausgewählte Passagen aus seinen Texten vorliest und mit uns über die "Vergegenkunft" der europäischen Idee diskutiert.

Alle Studentinnen und Studenten, die einen Wahlpflichtschein erwerben wollen, müssen sich bis Mitte Mai bereit erklären, ein Kurzreferat von bis zu 30 Minuten zu übernehmen.

Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung für das Seminar wird gebeten:
sekretariat(at)zkfl.uni-luebeck.de oder Tel.: (0451) 3101 3431