ZKFL

Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung

Zeit- und Kulturgeschichte der Medizin

Welche gesellschaftlichen Konstellationen und kulturellen Kontexte prägten medizinisches Wissen und Handeln in der Nachkriegszeit? Und wie wirkten umgekehrt medizinische Erkenntnisse und Deutungsangebote auf die soziale und kulturelle Entwicklung der frühen Bundesrepublik bzw. der DDR? Welche experimentell-naturwissenschaftlichen bzw. klinisch-therapeutischen Kulturen entwickelten sich in der Medizin und welchen Einfluss hatten berühmte Ärztepersönlichkeiten auf die Ausdifferenzierung klinischer Kulturen? Welche Rolle spielten demgegenüber zeittypische Themen wie Kybernetik oder Stress in der medizinischen Forschung? Bereits diese Übersicht legt den Schluss nahe, dass eine Kulturgeschichte der 1950er und 1960er Jahre nicht nur unvollständig, sondern schlicht fragmentarisch bleibt, solange sie nicht die Zeitgeschichte der Medizin integriert.

Ethik und Epistemologie der Humanwissenschaften

Verschiedene Projekte am IMGWF befassen sich mit ethischen Fragen. Dabei werden sowohl direkt praxisrelevante Probleme in Bezug auf Entscheidungen und Regelung geklärt wie auch grundsätzliche philosophische und methodologische Themen untersucht. Der Ethikansatz ist sensibel für die kulturellen, historischen und gesellschaftlichen Kontexte, aus denen heraus sich ethische Fragen stellen. Das Ziel der Klärung ist zunächst ein differenziertes Verständnis der Bedeutung der ethischen Fragen aus den verschiedenen Perspektiven Betroffener und Beteiligter. Diese Perspektiven können aber nur richtig gedeutet und angemessen mit Argumenten über das Gute und Gerechte, d.h. mit Normen und Werten verknüpft werden, wenn gleichzeitig die gesellschaftlichen Sinnkonstrukte, Deutungsmuster und auch die politisch-institutionellen Bedingungen der betreffenden Problemlagen erforscht werden. Ethische Fragen sind außerdem verzahnt mit epistemologischen Fragen, z.B. wenn es um die Möglichkeit der Verbindung verschiedener Wissens- und Nichtwissenstypen geht. Innovative Forschung in den biomedizinischen Wissenschaften muss sich für das Unvorhersehbare bereithalten, ohne dieses Neue bereits antizipieren zu können. Lässt sich eine Ethik und eine Epistemologie entwickeln, die der Komplexität unserer Zeit gerecht wird?

Historische Wissenschaftsforschung

Wie hat sich die Erforschung von Welt und Wirklichkeit im gesellschaftlich-historischen Kontext bis heute verändert? Kann der Erwerb sogenannten „reinen“ Wissens überhaupt von seiner sogenannten Anwendung und damit gesellschaftlichen Interessen getrennt werden und ist Wissenschaft per se nicht immer auch schon Veränderung der Umwelt, also Technik? Haben wir es also heute mit einer prinzipiell neuen Form von Erkenntnis als technischer Anwendung zu tun? Welche Rolle spielt überhaupt die Technik für die gesellschaftliche Akzeptanz von Wissenschaft und besonders auch im Hinblick auf Konstruktion von Zukunft? Historische Wissenschaftsfor­schung zielt dabei weniger auf Vollständigkeit als auf eine radikale Art des Fragens und Forschens, denn sobald nach der Genese von Wissen gefragt wird, muss buchstäblich dessen Disziplinierung mit in den Blick genommen werden. Dazu ist eine transdisziplinäre Pluralität wissenschaftlicher Methoden erforderlich, die je nach dem Forschungsgegenstand soziologische, philosophische, kulturwissenschaftliche, medienhistorische oder ideengeschichtliche Perspektiven umfasst.

 

Ansprechpartner: Prof. Dr. Cornelius Borck

Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung
Königstrasse 42, 23552 Lübeck

Tel. 0451 707 998 12

E-Mail: borck(at)imgwf.uni-luebeck.de

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