ZKFL

Assoziierte Projekte

Provenienzforschung bei den Lübecker Museen

Um ihrer Verantwortung hinsichtlich der Umsetzung der „Grundsätze der Washingtoner Konferenz“ sowie der „Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes“ nachzukommen, möchten die LÜBECKER MUSEEN nun diejenigen Bestände ihrer Sammlung einer systematischen Prüfung unterziehen, bei denen ein Zusammenhang mit nationalsozialistischen Unrechtsmaßnahmen nicht ausgeschlossen werden kann.
Einige Objekte konnten in den letzten Jahren schon erfolgreich restituiert werden. Die Stadt Riga schenkte im Jahr 1943 der Stadt Lübeck einen Altar des Künstlers Jakob van Utrecht, den sogen. Kerckring-Altar, er gehörte jedoch ursprünglich zur Sammlung der Familie von Sengbusch, die 1940 aus Riga vertrieben wurde. Hier konnte schon im Jahr 1992 eine Einigung mit der Familie erzielt werden. Im Jahr 2001 restituierte die Hansestadt Lübeck eine Glocke, die 1942 von deutschen Soldaten in Staraja Rossa entdeckt und nach Lübeck transportiert wurde. Ebenfalls 2001 wurde die Madonna mit der Mondsichel an die Stadt Riga zurückgegeben. Die mittelalterliche Eichenholzskulptur verschickte 1943 der damalige stellvertretende Lübecker Oberbürgermeister nach Lübeck. Das Gemälde „Markt mit Rathaus und Marienkirche“ von Cornelis Springer konnte im Jahr 2004 an die Nachfahren des rechtmäßigen Eigentümers zurückgegeben werden.
Bei dem Kerckring-Altar und dem Gemälde von Cornelis Springer kamen die Geschädigten bzw. deren Erben auf die Hansestadt Lübeck zu. Auch mehrere Museen sind im Rahmen ihrer Provenienzforschungsprojekte mit konkreten Anfragen an die Stadt Lübeck herangetreten.
Laut Inventarbüchern verzeichnet die Sammlung der Museen für Kunst und Kulturgeschichte zwischen 1933 und 1945 etwa 7.200 Erwerbungen. Es fanden verstärkt Ankäufe von Kunsthändlern in Lübeck, Hamburg, Berlin, Osnabrück, München und Wien statt, da die NS-Stadtverwaltung eine komplette Umgestaltung des Museums festsetzte. Viele dieser Händler sind bekannt für den Handel mit NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut. Hier muss für jedes der bislang etwa 900 Objekte einzeln recherchiert werden, nach Prüfung ihres heutigen Standortes bzw. Ausschluss der Kriegsverluste, ob es sich möglicherweise um NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut handelt.
In der Nacht zum Palmsonntag 1942 fiel Lübeck einem flächendeckenden Bombenangriff der britischen Luftwaffe zum Opfer. Auch die Gebäude der verschiedenen Sammlungen wurden schwer getroffen. Diesen Verlust suchte man mit zahlreichen Ankäufen aus unterschiedlichsten Provenienzen auszugleichen. Zudem erhielten die Museen eine hohe Summe vom Staat, um rund 170 Kunstgegenstände in den Niederlanden und Belgien zu erwerben. Bei diesen Objekten verzeichnen die Inventarbücher nach bisherigem Kenntnisstand den Vermerk „1947 an Holland ausgeliefert“, jedoch befinden sich nach einer oberflächlichen Prüfung einige dieser Objekte weiterhin in der Sammlung. Hier muss der Verbleib der so genannten „Holland-Möbel“ geprüft werden bzw. inwiefern sie tatsächlich zurückgegeben wurden. Wobei nicht ersichtlich ist, ob die als zurückgegeben gekennzeichneten Objekte an die ursprünglichen Eigentümer, an den Niederländischen Staat oder an eine andere Institution in den Niederlanden gingen.
Ziel ist es, für möglichst alle Objekte, die in den Jahren 1933-1945 in die Sammlung eingegangen sind und deren Provenienz nicht zweifelsfrei unbedenklich ist, die Besitzerfolge sowie die jeweiligen Erwerbungsumstände lückenlos zu rekonstruieren, um die tatsächlich als NS-verfolgungsbedingt entzogenen Objekte öffentlich zu dokumentieren und eine Rückgabe bzw. Restitution an die Eigentümer oder deren Rechtsnachfolger in die Wege leiten zu können. Als Grundlage - insbesondere für die Provenienzforschung - soll ein Überblick über die Lübecker Kunsthändler, deren Netzwerke und über die damalige Erwerbspolitik des damaligen Direktors geschaffen werden.

Das "Netzwerk Kunst und Kultur der Hansestädte"

Das "Netzwerk Kunst und Kultur der Hansestädte" ist eine Plattform für den gegenseitigen Austausch von Wissenschaftlern, die sich mit der Kunst- und Kulturgeschichte des hansischen Wirtschaftsraumes befassen, der von Portugal bis nach Nordwestrussland und von Skandinavien bis nach Italien reichte.
Diese Plattform ist interdisziplinär, international und steht allen Interessierten offen. Sie sammelt Informationen über die Aktivitäten in der Wissenschaft und deren Ergebnisse und schafft mit dem redaktionell betreuten Internetportal Orientierung und Instrumente zur Zusammenarbeit. Bestehende Aktivitäten können so gebündelt, ergänzt oder koordiniert werden und Personen sowie Institutionen über Disziplin- und Landesgrenzen hinweg vernetzt zusammenarbeiten. Parallel zum Aufbau des Internetportals www.netzwerk-hansekultur.de werden intensiv die direkten Kontakte der Personen untereinander gefördert, um das Netzwerk dauerhaft stabil und erfolgreich zu machen.

Das Netzwerk wird koordiniert von Dr. Kerstin Petermann und Dr. Anja Rasche und startet in enger Zusammenarbeit von ZKFL, der "Forschungsstelle für die Geschichte der Hanse" am Archiv der Hansestadt Lübeck und der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Vom 1. - 3. Nov. 2013 fand im ZKFL die Auftaktveranstaltung des Netzwerks statt, bei der 23 Kunst- und Kulturwissenschaftler aus Schweden, Polen, Estland, Finnland, Dänemark, der Schweiz und Deutschland Wege für den weiteren Aufbau des Netzwerks erarbeiteten, gefolgt vom Lübeck-Workshop, der vom 25. - 27. April 2014 ebenfalls im ZKFL durchgeführt wurde und bei dem der Kreis um Lübecker Kollegen erweitert wurde.
Vom 31. Aug. - 1. Sept. 2015 veranstalten die Böckler-Mare-Balticum-Stiftung, die Universität Uppsala und das Netzwerk Kunst und Kultur der Hansestädte die Internationale und Interdisziplinäre Tagung "Gotland - Kulturelles Zentrum im Hanseraum" im Museum Fornsal in Visby auf Gotland. Das Programm finden Sie hier. Weitere Informationen unter: www.netzwerk-hansekultur.de oder persönlich bei den Koordinatorinnen: kerstin.petermann@zkfl.uni-luebeck.de oder anja.rasche@zkfl.uni-luebeck.de.

 

Das Kindeswohl im ethischen Konflikt: Knochenmark- und Blutstammzellspende von Kindern an Familienmitglieder.

Bei Krankheiten, die mit einer Transplantation von hämatopoietischen Stammzellen behandelt werden können, gibt es einen grundlegenden rechtlichen und ethischen Konflikt: Das Wohl des einen Geschwisterkindes ist nicht gleichbedeutend mit dem Wohl des anderen. Der Eingriff, der zur Spende von Knochenmark- oder peripheren Blutstammzellen notwendig ist, hat im Bezug auf das Spenderkind keine medizinische Indikation. Die Indikationsstellung liegt allein beim Empfängerkind. Detaillierte Informationen.

Projektverantwortliche:
Prof. Dr. Christoph Rehmann-Sutter, Prof. Dr. Christina Schües

 

Paradigms for a Metaphorology of Cosmos. Hans Blumenberg and the Contemporary Metaphors of Universe

This research project focuses on the German philosopher and historian of science Hans Blumenberg (b.1920 Lübeck–d.1996 Altenberge). Alberto Fragio intends to write a book on Blumenberg’s metaphorology of cosmos and history of modern astronomy, that will also include a review on actual metaphors in contemporary astronomy and physical cosmology. Detaillierte Informationen.

Dr. Alberto Fragio

Projekt digitale Inventarisierung der Völkerkundesammlung der Hansestadt Lübeck

Die Völkerkundesammlung der Hansestadt Lübeck ist eine der ältesten Sammlungen ihrer Art, deren rund 26.000 Objekte über einen Zeitraum von dreihundert Jahren vor­nehmlich von privaten Sammlern zusammengetragen wurden. Sie wird international von Fachleuten geschätzt und einige ihrer herausragenden Objekte werden regelmäßig an Ausstellungsprojekte weltweit verliehen. Im Rahmen des Projektes werden die bisher nur analog vorhandenen Objektdaten digital in einer auf die musealen Zwecke speziell abgestimmten Datenbank erfasst. Zu jedem Objekt wird ein Datensatz mit beschreibendem Text und  digitalen Fotos erstellt. Die Völkerkundesammlung ist derzeit nicht öffentlich zugänglich. 

Person und Praxis. Eine Wissens- und Mediengeschichte der Persönlichkeitsforschung

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts hat sich die Erforschung der Persönlichkeit des Menschen zu einer eigenständigen wissenschaftlichen Teildisziplin innerhalb der Psychologie ausdifferenziert, deren Ansätze auf besondere Weise von naturwissenschaftlichen Nachbarfächern (vor allem der Medizin und Biologie), aber auch von geisteswissenschaftlichen Disziplinen (wie der Philosophie und Anthropologie) geprägt wurden. Neben den Impulsen von zentralen Akteuren, die sich dezidiert um einen wissenschaftlichen Zugang zum Wesen und der charakteristischen Eigenart des Menschen bemühten, sowie Denkanstößen, die aus den Humanwissenschaften im Allgemeinen kamen, waren es jedoch gerade kulturelle und soziale Faktoren, die über die konkrete Ausrichtung der Persönlichkeitsforschung sowie ihre Themen- und Methodenagenda in Europa und Nordamerika im Verlauf des 20. Jahrhunderts entschieden haben.

Die Wissensproduktion von der menschlichen Persönlichkeit tritt somit als kulturell formatiertes Feld in Erscheinung, das in den Übergangsbereichen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften situiert ist und hierbei völlig konträre Modelle über die Struktur und Beschaffenheit des eigenen Gegenstandes artikuliert hat.

Eng gekoppelt sind die Modellvorstellungen über die Struktur und Dynamik der Persönlichkeit an die konkrete Forschungspraxis, die in diversen Kontexten (zum Beispiel klinisch ausgerichteten Institutionen oder psychologischen Laboratorien) etabliert wurde. Sie stützt sich auf Ensembles aus verschiedenen Medien, Materialien und Apparaturen, denen bei der ‚Materialisierung‘ und ‚Visualisierung‘ der Persönlichkeit eine Kardinalfunktion zukommt. Eigens von Psychiatern oder Psychologen entwickelt, stellenweise auch aus anderen humanwissenschaftlichen Forschungszusammenhängen übernommen und für die eigene Fragestellung modifiziert, sollen diese zu Dispositiven arrangierten Ensembles Indikatoren der Persönlichkeit identifizieren, individuelle Ausprägungen von Persönlichkeitseigenschaften quantitativ erfassen oder stabile Unterschiede zwischen verschiedenen Menschen hinsichtlich einzelner Charakterfacetten messbar machen.

Ziel des Forschungsprojekts ist es, genau diese Interdependenz zwischen Diskursivierung und medialer Modellierung der Persönlichkeit vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart zu untersuchen. In der Wissenschaftsgeschichte und der Kulturwissenschaft verortet, soll eine Diskursgeschichte der Erforschung der menschlichen Persönlichkeit entworfen werden, bei der die medialen Dispositive im Zentrum stehen, die als Techniken der Selbstergründung und -fixierung im Verlauf des 20. Jahrhunderts zum Einsatz kommen. Als Primärquellen dienen dabei die von verschiedenen Akteuren publizierten theoretischen Abhandlungen, methodologisch-methodischen Konzeptpapiere, durchgeführten Studien und Experimente wie auch die diversen für den Forschungsprozess entwickelten Medien (Testbatterien, Fragebögen, Apparaturen zur Aufzeichnung biologischer Parameter). Zugleich soll diese Materialsammlung durch die Auswertung von Archivbeständen ausgewiesener Persönlichkeitsforscher komplettiert werden.

Dipl.-Psych. David Keller, M.A.